Dort sein, wo junge Menschen leben!
Was brauchen junge Menschen heute von Kirche?
Vielleicht nicht zuerst Antworten.
Vielleicht nicht zuerst Regeln.
Und vielleicht auch nicht zuerst einen Gottesdienst.
Vielleicht brauchen sie zuerst Menschen, die da sind. Die zuhören. Die an sie glauben. Und die bleiben. Genau darin sehe ich meine Berufung.
Ich bin Peter Januš, 42 Jahre alt, Theologe und Soziologe. Aufgewachsen bin ich in Maribor, Slowenien. Seit zehn Jahren lebe und arbeite ich in der Schweiz. Meine grosse Leidenschaft neben der Jugendseelsorge ist die Musik: Ich bin Sänger und Vocal-Coach. Seit August arbeite ich bei der Jugendseelsorge in Zürich.
Was mein Leben besonders erfüllt, ist; mit jungen Menschen unterwegs zu sein, denn Glaube beginnt mit Beziehung.
Mein eigener Glaube wurde vor allem durch Menschen geprägt. Durch meine Eltern und ganz besonders durch unseren Vikar in meiner Heimatpfarrei Don Bosco in Maribor.
Sie haben mir etwas gezeigt, das mich bis heute begleitet: Glaube wird dort lebendig, wo Menschen ihn authentisch leben. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich mich mit Herz und Seele der Spiritualität Don Boscos verbunden fühle. Don Bosco wollte nicht einfach für Jugendliche arbeiten. Er wollte mitten unter ihnen leben.
Er wollte ihre Welt kennen, ihre Sorgen verstehen, ihre Freude teilen und ihnen zeigen: Du bist wertvoll. Ich glaube an dich.
Einer seiner Gedanken begleitet mich deshalb besonders:
„Man erreicht mehr mit einem Blick voll Liebe, mit einem Wort der Ermunterung, das Vertrauen bewirkt, als mit vielen Vorwürfen.“
Was für eine Haltung! Nicht zuerst fragen: Was läuft bei dir falsch? Sondern: Was steckt in dir? Was begeistert dich? Was kannst du werden? Wie kann ich dir helfen, deinen Weg zu entdecken?
Ein zweiter Satz Don Boscos ist für mich fast wie ein Programm für die Jugendseelsorge:
„In jedem Jugendlichen, auch im unglücklichsten, gibt es einen Punkt, wo er für das Gute empfänglich ist.“
Diesen Punkt, das Gute im Menschen möchte ich suchen. Auch bei einem Jugendlichen, der schwierig erscheint. Bei jemandem, der provoziert. Der zweifelt. Der mit Kirche nichts anfangen kann. Oder der vielleicht selbst nicht mehr daran glaubt, dass etwas Gutes in ihm steckt. Ich möchte trotzdem an ihn glauben. Denn manchmal braucht ein junger Mensch nur einen Menschen, der ihn anders anschaut als alle anderen. Einen Menschen, der sagt: Ich sehe dich. Ich höre dir zu. Ich nehme dich ernst.
Kirche muss dorthin gehen, wo Jugendliche sind, deshalb bedeutet Jugendseelsorge für mich nicht, darauf zu warten, dass Jugendliche zu uns kommen. Wir müssen zu ihnen gehen. Dorthin, wo ihr Leben stattfindet. Zum gemeinsamen Essen. Zur Musik. Zum Sport. In den Jugendtreff. Auf Reisen. Zu einem Konzert. Zu einem Spieleabend. In ein persönliches Gespräch. Und natürlich auch zum gemeinsamen Gebet und Gottesdienst.
Manchmal reden wir dabei über Gott. Manchmal reden wir über Liebe, Zukunft, Schule, Familie, Freundschaft, Angst oder Träume. Und manchmal lachen wir einfach miteinander. Auch das ist für mich Seelsorge. Denn ich glaube: Gott ist längst im Leben junger Menschen gegenwärtig, bevor wir anfangen, mit ihnen über Gott zu sprechen.
Unsere Aufgabe ist vielleicht weniger, Gott zu ihnen zu bringen, als gemeinsam mit ihnen zu entdecken, wo Gott in ihrem Leben schon da ist.
Und dann ist da die Musik … Musik gehört zu meinem Leben. Als Sänger und Vocal-Coach erlebe ich immer wieder, dass Musik etwas schafft, was Worte manchmal nicht können. Sie öffnet Herzen. Ein Lied kann Hoffnung geben. Eine Melodie kann Erinnerungen wecken. Gemeinsames Singen kann Menschen verbinden, die vorher kaum miteinander gesprochen haben. Deshalb gehören für mich Musik, Gemeinschaft, Jugend und Glaube zusammen. Vielleicht muss Kirche manchmal auch wieder lernen, die Sprache, die Melodie des Herzens zu sprechen.
Meine Vorstellung von Jugendseelsorge? Eigentlich ist sie ganz einfach: Da sein. Nicht nur dann, wenn alles gut läuft. Auch dann, wenn jemand zweifelt. Wenn jemand einen Fehler gemacht hat. Wenn jemand enttäuscht ist. Wenn ein junger Mensch Gott gerade nicht versteht oder von Kirche nichts wissen möchte. Gerade dann.
Ich möchte Jugendliche nicht zu einem fertigen Glauben führen. Ich möchte mit ihnen unterwegs sein. Sie dürfen fragen. Sie dürfen suchen. Sie dürfen zweifeln. Sie dürfen lachen. Sie dürfen ausprobieren. Und sie dürfen ihren eigenen Weg mit Gott entdecken. Denn am Ende möchte ich ihnen nicht nur erzählen, dass Gott sie liebt. Ich möchte ihnen so begegnen, dass sie etwas von dieser Liebe spüren können.
Das ist für mich Jugendseelsorge. Das ist meine Leidenschaft, das ist meine Berufung.
