Radikalisierung geschieht oft leise – und manchmal mitten im Kinderzimmer. Unsere Weiterbildung am 22. Mai richtet sich an alle, die mit Jugendlichen arbeiten und frühzeitig Anzeichen erkennen möchten. Gemeinsam mit Serena Gut von der Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention zeigen wir, wie Gespräche gelingen können – bevor sich junge Menschen in extremistische Welten verlieren.
„Wir dachten, wenn er sich in sein Kinderzimmer zurückzieht, ist er in Sicherheit.“
Ein Satz, der hängen bleibt – ausgesprochen von den Eltern eines 13-jährigen Jungen in der aktuellen Netflix-Miniserie *Adolescence*. Ihr Sohn hat ein gleichaltriges Mädchen aus seiner Schule getötet. Niemand hat die Veränderung bemerkt. Die Eltern nicht, die Schule nicht. Im Rückblick fragen sie sich: Wann ist es passiert? Und warum haben wir es nicht gesehen?
„Adolescence“ erzählt nicht nur eine fiktive Geschichte. Die Serie ist bedrückend nah an der Realität – einer Realität, in der Jugendliche sich in digitalen Räumen radikalisieren, ohne dass ihr Umfeld etwas davon mitbekommt. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Rückzug ins Kinderzimmer wirkt, kann der Beginn einer gefährlichen Entwicklung sein.
Radikalisierung geschieht heute oft im Stillen. Und sie geschieht mitten unter uns. Der Podcast „Apropos“ des Tages-Anzeigers zur Serie „Adolescence“ zeigt auf, wie junge Menschen – häufig aus einem Gefühl der Ohnmacht, der Angst vor Zurückweisung oder aus der Suche nach Orientierung – in extremistische Ideologien abgleiten. Besonders junge Männer fühlen sich von frauenfeindlichen Online-Bewegungen wie der sogenannten „Manosphere“ angesprochen. Was sie dort finden, ist selten Halt – aber oft Hass.
Wir sind überzeugt: Der Umgang mit Radikalisierung darf nicht an die Schule oder das Elternhaus allein delegiert werden. Es braucht Menschen in der Jugendarbeit, die hinschauen, sensibel sind für Veränderungen – und bereit, Gespräche zu führen, auch wenn sie herausfordernd sind.
Deshalb laden wir herzlich ein zur Weiterbildung:
Radikalisierung und Extremismus bei Jugendlichen erkennen und darüber sprechen
22. Mai 2025, 09.00 – 13.00 Uhr
Mit Serena Gut, Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention, Stadt Winterthur
Wie erkenne ich erste Anzeichen?
Was brauchen Jugendliche, um ins Gespräch zu kommen – bevor es zu spät ist?
Wie können wir in der Jugendarbeit zu einem Ort werden, an dem sich niemand im Stillen verliert?
Anhand konkreter Fallbeispiele zeigt die Weiterbildung auf, wie Radikalisierungsprozesse ablaufen – und wie wir als Fachpersonen reagieren können. Ein Vormittag für alle, die Jugendlichen nicht nur zuhören, sondern sie auch erreichen wollen.
Wir freuen uns, wenn du dabei bist. Und falls du nicht selbst in der Jugendarbeit tätig bist: Danke, wenn du diese Einladung an die passende Person in deinem Umfeld weiterleitest.
