Über 2000 Mitglieder von Synodenteams und kirchlichen Mitwirkungsgremien aus allen Kontinenten haben sich als weltweite Lerngemeinschaft getroffen. Mitten drin waren 23 Frauen und Männer aus der Schweiz.
Was war das dieses «Jubiläum der Synodenteams»?
De facto war es der erste gemeinsame Schritt der Umsetzungsphase. Nach dem Abschlussdokument der Weltsynode 2024 geht es jetzt darum, Synodalität in Bistümern, Pfarreien und Verbänden wirklich zu leben und nicht nur darüber zu reden.
Eine Schlüsselrolle spielen dabei die synodalen Teams. Sie sind von den Bischöfen eingesetzte «Laboratorien der Synodalität». Sie sind Orte an denen Mitverantwortung und gemeinsame Entscheidungswege erprobt werden, mit Signalwirkung für die ganze Kirche.
Das Jubiläum in Rom markiert zugleich den Auftakt einer rund eineinhalbjährigen Umsetzungsphase bis hin zu einer allgemeinen Kirchenversammlung im Jahr 2028.
Junge Stimmen auf dem Weg zu 2028
Drei Schweizer Jugendvertreter waren offiziell dabei. Unter ihnen Ivo Bühler, Leiter der Jugendseelsorge Solothurn und Verbandspräses der Katholischen Pfadi. Er war schon während der Weltsynoden 2023 und 2024 im Rahmen des Dachverbands «DACHS» in Rom präsent. >>>Link zum Dachsbau
Ein weiterer engagierter Jugendvertreter war Cyprian Grüsser der die Gründung des Jugendrates im Bistum Chur massgeblich mitgestaltete. Gemeinsam mit diesem diözesanen Jugendrat lädt Bischof Joseph Maria nun zur Konferenz «Was (mir) heilig ist …» ein. Wer junge Menschen einbinden, sich vernetzen und synodale Jugendbeteiligung live erleben möchte, findet dort den Perfekten Ort. >>>Link zur Jugendkonferenz
Das Schlussdokument der Weltsynode untermauert dieses Engagement in Ziffer 62. Es beschreibt eine Jugend die Paternalismus ablehnt und stattdessen an einer einladenden Gemeinschaft baut.
Für die Kirche bedeutet das konkret:
- Junge Menschen sollen aktiv einbezogen und gehört werden.
- Ihre Gaben und ihr Beitrag zur kirchlichen Sendung verlangen nach Anerkennung.
- Ihre Gaben und Perspektiven sind für die Erneuerung der Kirche essenziell.
- Ihre Teilnahme an Entscheidungsprozessen muss strukturell gestärkt werden.
Die Schweiz stark im Prozess
Mit 23 Teilnehmenden war die Schweiz gut vertreten. Synodenteams auf nationaler Ebene sowie aus den Bistümern Basel, Lugano und Lausanne–Genf–Freiburg, dazu Mitglieder der Synodalitätskommission und auch Jugendvertreter*innen.
Was sie eingebracht haben, ist bemerkenswert:
- Das duale System: RKZ-Präsident Roland Loos schilderte, wie die öffentlich-rechtlichen Körperschaften in der Schweiz Geld und Strukturen mitverantworten und dadurch echte Mitsprache ermöglichen. Immer wieder stösst diese Kombination aus kirchlicher und demokratischer Logik international auf Staunen.
- Starke Laienmitarbeitende: Die Theologin Andrea Meier zeigte, wie sehr die Kirche in der Schweiz von nichtgeweihten Theolog*innen getragen wird, bis hin zu Pfarreien, in denen nicht automatisch der Priester «Chef» ist. Für viele Delegierte aus anderen Ländern war das ermutigend.
- Frauen in Verantwortung: Aus der Schweiz kam nicht nur ein Beispiel für Laienbeteiligung, sondern auch für die Förderung von Frauen in Leitungsaufgaben. Ein Thema, das international mit grosser Aufmerksamkeit verfolgt wird.
Was Papst Leo den Synodenteams mit auf den Weg gibt
In seiner Predigt im Petersdom hat Leo XIV. Synodalität nicht als «Projekt» beschrieben, sondern als Beziehungsstil der Kirche. Beziehungen in der Kirche, so der Papst, sollen nicht der Logik der Macht folgen, sondern der Logik der Liebe. Niemand sei dazu berufen zu befehlen, alle aber seien berufen zu dienen und einander zuzuhören.
Es ist ein klarer Auftrag: Synodalität ist nicht Nischenthema einer Kommission, sondern Zukunftsweg für die ganze Kirche.
Synodalität als Haltung, nicht als Rezept
Die Delegation aus dem Bistum Basel fasst ihre Eindrücke bemerkenswert zusammen:
- Synodalität hat kein Patentrezept. Sie ist eine Haltung, die eingeübt werden muss, gemeinsam, geduldig und fehlerfreundlich.
- Die Kirche ist eine weltweite Lerngemeinschaft. Von Ozeanien bis in den Mittleren Osten, von Kanada bis zur Schweiz überall gibt es kleine synodale Aufbrüche. Das Treffen in Rom hat das spürbar gemacht.
- Die Zukunft ist synodal oder gar nicht. Wer die Kirche weiterführen will, muss lernen, zuzuhören, Verantwortung zu teilen und «safe spaces» zu öffnen, in denen auch bisher Unerhörtes zur Sprache kommen darf.
Und wir? Drei konkrete Schritte nach Rom:
- Ein erstes «Gespräch im Geist» ausprobieren
Nimm eure nächste Sitzung im Pfarreirat, im Pastoralkreis oder im Team und widmet mindestens einen Punkt einem geistlichen Gespräch im beschriebenen Format. (Kurze Anleitung) - Euer eigenes «Labor» initieren
Überlegt euch: Wo leben wir bereits Synodalität, vielleicht unauffällig, aber real? Ein partizipativer Firmkurs, ein offener Visionsprozess, eine basisnahe Diakonie-Initiative? Nennt es beim Namen, teilt die Erfahrung, ladet andere ein. - An die Jugend andocken
Wenn ihr mit jungen Menschen arbeitet, bildet synodale Jugendinitiativen und fragt Jugendliche nicht nur nach «Input», sondern nach Mitverantwortung.
Fazit
Synodalität ist keine Spezialveranstaltung, sondern die Art und Weise, wie Kirche Zukunft haben kann. Jetzt kommt es darauf an, was wir mit diesen Impulsen in unseren Pfarreien, Gremien und Projekten anfangen.
P.S.: INKLUSION
63. Bei der Förderung der gemeinsamen Verantwortung für die Sendung aller Getauften erkennen wir die apostolischen Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen an, die sich als aktive Akteure der Evangelisierung berufen und gesandt fühlen. >>> Link zur Behindertenseelsorge
