Und dann er kommt zu spät. Es ist vorbei. Lazarus stirbt.
Und genau dort setzt Jesus an. Nicht „gerade noch retten“ wollen, sondern dort, wo etwas wirklich tot ist. Wo nichts mehr geht. Wo Menschen sagen: Das war’s.
Für mich geht es hier nicht in erster Linie darum, ein spektakuläres Wunder zu zeigen. Ob und wie das erklärbar ist, ist gar nicht der Kern – obwohl ich Gott alles Gute zutraue. Jesus zeigt etwas Tieferes:
Dass aus Totem wieder Leben entstehen kann.
Und spannend ist ja: Es bleibt nicht nur bei Lazarus. Auch bei den Menschen passiert etwas. Sie beginnen zu glauben. Sie erkennen neu, wer Jesus ist. Es wird nicht nur ein Mensch lebendig – sondern auch Herzen. Menschen schöpfen Vertrauen und Hoffnung. Menschen werden lebendig.
Darum geht es nicht darum, was passierte damals genau?
Sondern mehr noch, wo passiert das heute bei mir? Wo habe ich etwas innerlich schon begraben?
Vielleicht in Beziehungen – Menschen, mit denen ich abgeschlossen habe. Wo ich sage: Das ist vorbei. Da geht nichts mehr. Und vielleicht liegt genau dort eine Möglichkeit zur Versöhnung, zu einem neuen Anfang, zu einem ersten Schritt.
Vielleicht bei mir selbst – Wo habe ich mich abgeschrieben? Meinem Körper nichts mehr zugetraut? Oder innerlich gesagt: „So bin ich halt, da verändert sich nichts mehr“?
Und doch gibt es diese Momente, wo plötzlich wieder etwas lebendig wird.
Vielleicht bei meinen Träumen und Visionen – Wo hat mich die Realität so eingeholt, dass ich aufgehört habe zu träumen? Wo habe ich mich angepasst, kleiner gemacht, sicherer gemacht …und dabei etwas Lebendiges verloren?
Und vielleicht auch in meiner Beziehung zu Gott – Ist mein Glaube so „realistisch“ geworden, dass ich Gott gar nichts mehr zutraue? Dass ich nicht mehr damit rechne, überrascht zu werden?
Jesus zeigt hier: Gott wirkt auch dort, wo wir nichts mehr erwarten.
Impulse für deinen Alltag
- Schau auf deine Beziehungen:
Wo hast du jemanden innerlich abgeschrieben? Gibt es einen kleinen Schritt auf diese Person zu? - Schau auf dich selbst:
Wo hast du dich begrenzt oder aufgegeben? Was wäre ein erster Schritt, dir selbst wieder mehr zuzutrauen? - Schau auf deinen Glauben und deine Träume:
Wo hast du aufgehört zu hoffen oder zu träumen? Und wo könntest du Gott wieder mehr zutrauen?
Bibeltext zur Vertiefung (Johannes 11, 3–7.17.20–27.33b–45)
In jener Zeit sandten die Schwestern des Lázarus Jesus die Nachricht:
Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank.
Als Jesus das hörte, sagte er:
Diese Krankheit führt nicht zum Tod,
sondern dient der Verherrlichung Gottes.
Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.
Jesus liebte aber Marta, ihre Schwester und Lázarus.
Als er hörte, dass Lázarus krank war,
blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.
Danach sagte er zu den Jüngern:
Lasst uns wieder nach Judäa gehen.
Als Jesus ankam,
fand er Lázarus schon vier Tage im Grab liegen.
Als Marta hörte, dass Jesus komme,
ging sie ihm entgegen,
Maria aber blieb im Haus sitzen.
Marta sagte zu Jesus:
Herr, wärst du hier gewesen,
dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
Aber auch jetzt weiss ich:
Alles, worum du Gott bittest,
wird Gott dir geben.
Jesus sagte zu ihr:
Dein Bruder wird auferstehen.
Marta sagte zu ihm:
Ich weiss, dass er auferstehen wird
bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.
Jesus sagte zu ihr:
Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt,
wird leben, auch wenn er stirbt,
und jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird auf ewig nicht sterben.
Glaubst du das?
Marta sagte zu ihm:
Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist,
der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.
Jesus war im Innersten erregt und erschüttert.
Er sagte:
Wo habt ihr ihn bestattet?
Sie sagten zu ihm:
Herr, komm und sieh!
Da weinte Jesus.
Die Juden sagten:
Seht, wie lieb er ihn hatte!
Einige aber sagten:
Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat,
hätte er dann nicht auch verhindern können,
dass dieser hier starb?
Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt
und er ging zum Grab.
Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.
Jesus sagte:
Nehmt den Stein weg!
Marta, die Schwester des Verstorbenen,
sagte zu ihm:
Herr, er riecht aber schon,
denn es ist bereits der vierte Tag.
Jesus sagte zu ihr:
Habe ich dir nicht gesagt:
Wenn du glaubst,
wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?
Da nahmen sie den Stein weg.
Jesus aber erhob seine Augen
und sprach:
Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.
Ich wusste, dass du mich immer erhörst;
aber wegen der Menge, die um mich herumsteht,
habe ich es gesagt,
damit sie glauben,
dass du mich gesandt hast.
Nachdem er dies gesagt hatte,
rief er mit lauter Stimme:
Lázarus, komm heraus!
Da kam der Verstorbene heraus;
seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt
und sein Gesicht war mit einem Schweisstuch verhüllt.
Jesus sagte zu ihnen:
Löst ihm die Binden
und lasst ihn weggehen!
Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren
und gesehen hatten, was Jesus getan hatte,
kamen zum Glauben an ihn.
